Junkers Ju 52/3m „Tante Ju“

Mit der Ju 52 ist es uns gelungen, ein wichtiges Stück deutschen luftfahrttechnischen Kulturerbes in einzigartiger Weise zu erhalten.

‚Tante Ju‘ in guten Händen

Sanierungsarbeiten am Oldtimer-Flugzeug gehen gut voran – Neustart im Frühjahr 2017
Gute Nachrichten für alle Fans des Traditionsflugzeugs Ju52 D-AQUI: Die „Tante Ju“, die wegen eines Bruchs eines ihrer Mittelholme im September 2015 ihre damalige Flugsaison abbrechen musste und seitdem - in ihrem Hangar auf der Lufthansa Basis Hamburg – quasi „auf der Intensivstation“ liegt, hat das Schlimmste überstanden. Die in den kommenden Monaten noch anstehenden weiteren Restaurierungsarbeiten bedeuten für den berühmten fliegenden Oldtimer zugleich eine umfängliche Verjüngungskur. „Es war eine schwere, aber richtige Entscheidung, auf die Flugsaison 2016 zu verzichten und unserem Besten Stück stattdessen eine Generalüberholung aus einem Guss zu verpassen“, unterstreicht der Vorstandsvorsitzende und Accountable Manager der DLBS Werner Knorr. „Dank der hervorragenden Arbeit erfahrener Ingenieure, Flugzeug- und Strukturmechaniker von Lufthansa Technik und Kälin Aero Technologies ist das Flugzeug mittlerweile erkennbar auf dem Weg der Besserung.“

Die letzte Phase der „Kur“ wird nach übereinstimmender Meinung aller Experten bis zum kommenden Frühjahr beendet sein. Das bedeutet: die Ju52 kann dann in die Flugsaison 2017 starten.

Bewegliches Denkmal

Im August 2015 war die Ju52 D-AQUI als erstes Passagierflugzeug der Welt offiziell als fliegendes Denkmal anerkannt worden. Dazu Hamburgs Kulturstaatsrat Carsten Brosda:
„Die Ju52 ist ein außergewöhnliches, bewegliches Denkmal. Sie steht wie kaum ein anderes Flugzeug für die deutsche Luftfahrtgeschichte, und die Rundflüge, die man mit der in Hamburg ansässigen ‚Tante Ju‘ machen kann, gehören zu den außergewöhnlichsten Erlebnissen, die unsere Stadt zu bieten hat. Schön, dass sich die Deutsche Lufthansa Berlin-Stiftung so engagiert für den Erhalt dieses Denkmals einsetzt.“

Für den Laien präsentiert sich das Traditionsflugzeug der Deutschen Lufthansa Berlin-Stiftung (DLBS) zur Zeit noch in einem deutlich sichtbaren Sanierungs-Bauzustand. Nach erfolgreichem Abschluss der Mittelholmreparatur sind jetzt die Tragflächen, gelöst vom Flugzeugrumpf, in eigens dafür gebaute Gerüste eingehängt. Zahlreiche Teile der für die „Tante Ju“ so charakteristischen Wellblechhaut wurden abgenommen. Denn jetzt beginnt der zweite Teil der Verjüngungskur: die Sanierung der Flächenholme. Wenn auch dies erledigt ist, wird das Flugzeug wieder zusammengebaut. Quasi rundumerneuert wird die Ju52 dann endlich wieder Fluggäste an Bord begrüßen können und technisch in besserem Zustand denn je in ihr neuntes Jahrzehnt starten.

Die Ju52 D-AQUI ist ein Flugzeug mit sehr bewegter Geschichte. 1936 zunächst an die damalige Lufthansa ausgeliefert, wurde sie bald nach Norwegen verkauft. Nach dem Krieg erlebte das Flugzeug eine wahre Odyssee mit Einsätzen in Süd- und Nordamerika. In erbarmungswürdigem Zustand von Lufthansa Piloten zufällig auf einem Flugfeld im Süden der USA entdeckt, wurde sie 1984 von der Lufthansa gekauft und „nach Hause“ geholt. Es folgte ein regelrechter Jungbrunnen für das damals 48 Jahre alte Junkers-Flugzeug. Knapp zwei Jahre dauerte die Restaurierung und Totalüberholung bei der Lufthansa Technik in Hamburg. Dabei wurde die Ju52 mit leistungsstarken Kolben-Sternmotoren ausgestattet und technisch so aufgerüstet, dass sie vom Luftfahrtbundesamt für den gewerblichen Luftverkehr selbst unter Instrumentenflugbedingungen zugelassen wurde.

Hilfe kam auch aus Berlin

Bis zum Herbst 2015 kam die „Tante Ju“ auf tausenden Rund- und Streckenflügen in ganz Deutschland und im benachbarten Ausland in den vergangenen drei Jahrzehnten auf insgesamt über 10.000 Flugstunden. Mehr als 200.000 Fluggäste erlebten dabei an Bord des Oldtimers kurze Zeitreisen in die frühen Jahre der zivilen Luftfahrt und das wunderbare Gefühl der Entschleunigung.

Zur Erhaltung der luftfahrthistorisch einmaligen Konstruktion kam Hilfe auch aus Berlin: Der Bund beteiligt sich mit bis zu 400.000 Euro aus Mitteln des Denkmalschutz-Sonderprogramms VI der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien an den Restaurierungskosten. Die „Tante Ju“ ist eben nicht irgendein Flugzeug – und topfit, wie sie im kommenden Frühjahr wieder sein wird, soll sie auch ihren 100. Geburtstag noch „im Fluge“ erleben.

Die gute Nachricht für Ju-Fans, die nicht so lange warten wollen: Ende November will die DLBS auf ihrer Webseite www.lufthansa-ju52.de bereits den Flugplan 2017 der Ju52 veroöffentlichen, mit Rund- und Streckenflügen in ganz Deutschland.

Und unter so manchem Weihnachtsbaum wird am 24. Dezember dann wohl ein Überraschungs-Ticket oder ein Gutschein für einen Ju 52-Rundflug im nächsten Jahr liegen. Willkommen an Bord!