Lockheed L1649A "Super Star"

Die erste "Super Star" der Lufthansa ging 1958 an den Start. Nach ihrer Restaurierung soll sich die Flugzeuglegende wieder in die Lüfte erheben.

07/2012 | Komplexe Türenüberholung

Die Überholung von Passagier- und Servicetüren, Notausstiegen und Fahrwerksklappen der Lockheed Super Star bei der Flugzeugüberholung in Hamburg ist ein weiteres Beispiel dafür, mit welchem großartigen Know-how und Engagement sich die Fachabteilungen und Mitarbeiter der Lufthansa Technik in die Instandsetzung der L-1649A der Deutschen Lufthansa Berlin-Stiftung einbringen.
Tim Riedl, Director Production Hamburg, Aircraft Base Maintenance, unterstreicht, dass das Team auch bei den Türen auf Ingenieuranweisungen des FAA zugelassenen Designated Engineering Representative (DER), James Burd, angewiesen ist. Tim Riedl erklärt: „Das vom DER erstellte, und mit der FAA abgestimmte Inspection Service Bulletin (SB) ist Basis unserer Arbeit.“

Nach Vorgabe der vom Lufthansa Technik Ingenieurteam erarbeiteten und vom DER genehmigten „Approved Maintenance Data“ erstellte das Team die Arbeitsplanung und Arbeitskarten, nach denen die Reparaturen in den Werkstätten ausgeführt wurden. Die instand gesetzten Bauteile erhalten vom DER die so genannte FAA Form 8110. Sie dient als „Statement of Compliance“ mit den FAA-Zulassungsregularien.

Dass bei diesem einzigartigen Projekt auch eine Menge Herzblut im Spiel ist, zeigt das Beispiel von Arbeitsplaner Norbert Barge: „Als ich 1966 als Lehrling in der Technikabteilung der Lufthansa begann, waren die Tage der Super Constellation und Super Star bei Lufthansa schon gezählt. Beide Muster waren meine ‚Lieblinge’ und manche Mittagspause verbrachte ich lieber an Bord der zur Überholung in der Halle stehenden Connies anstatt in der Kantine. Jetzt bei der Instandsetzung der L-1649A dabei zu sein, ist ein wahr gewordener Traum für mich. Das gilt auch für meine Kollegen. Allen voran Ralf Rothmann, der die ‚gute Seele’ der L-1649A Produktion in unserer Abteilung ist. Ohne ihn wären wir sicherlich noch nicht da, wo wir heute stehen.“

Eine spezielle Herausforderung im Türenbereich liegt darin, dass sich die Produktions- und Instandsetzungsverfahren seit den 50er Jahren im Flugzeugbau dramatisch verändert haben. So wird bei den Reparaturen die ursprünglich von Lockheed verwendete Aluminiumlegierung 24ST4 durch das heute übliche 2024-T351 bzw. –T4 ersetzt. Die Ingenieure mussten dafür die Bauteile auf Dauerfestigkeit nachrechnen, um die sichere Verbindung von „alt“ und „neu“ zu gewährleisten. Ähnliche Herausforderungen gelten für Scharniere, Verriegelungen und andere mechanische Bauteile in den Türen, die zum Teil aufgearbeitet werden konnten, zum Teil nachgebaut werden mussten.

Die Verwendung von einem Teerfilm zur Schallisolation und als Schwingungsdämpfer zählt ebenfalls nicht mehr zum aktuellen Standard des Flugzeugbaus. „Ein Verfahren zu finden, wie die sehr hartnäckige Teermasse von der darunterliegenden Struktur so zu lösen ist, dass diese keinen Schaden nimmt, bereitete uns lange Kopfschmerzen. Schließlich haben wir aber ein schonendes Lösungsmittel gefunden, das die Sicherheitsanforderungen der FAA und der Lufthansa Technik gleichermaßen erfüllt“, erzählt Bernd Hügelmann, Teamleiter Struktur.

Höchste Anforderungen stellte z.B. auch die sphärische Konstruktion der vorderen Einstiegstür (1L) auf der Backbord-Seite. Barge sagt: „Wir mussten zunächst eine präzise Holzschablone zur Fixierung anfertigen, da das Bauteil ansonsten bei der Demontage seine Geometrie verloren hätte und diese nicht ohne weiteres wieder zu rekonstruieren gewesen wäre. Diese Schablone durfte während der Instandsetzung in der Werkstatt nicht versetzt werden, um die Passgenauigkeit bei der erneuten Türmontage nicht zu gefährden.“ Diese Tür wurde nach ihrer Fertigstellung bereits nach Auburn geliefert. Der Anbau an die L-1649A verlief ohne Probleme, die Passform ist exzellent.

Die in Hamburg bearbeiteten 17 Türen und Klappen entstammen drei Flugzeugen. Darunter die im Hangar in Auburn stehende Baunummer 1018, die vor der Halle geparkte und ebenfalls im Besitz der DLBS befindliche Baunummer 1038 sowie die in Südafrika stehende Baunummer 1042. Letztere ist die einstige Super Star D-ALOL der Lufthansa und die einzige, bis heute erhaltene Passagierversion des Musters L-1649A. Im Tausch gegen Türattrappen, die in den Hamburger Werkstätten der DLBS angefertigt wurden, spendete die South African Airways Museum Society dem Projekt unter anderem die Originaltüren auf der linken Seite des Flugzeugs, weil diese nach dem Frachterumbau nicht mehr vorhanden waren. So fliegt künftig beim Traditionsflugzeug der DLBS, das 1957 ursprünglich für TWA gebaut wurde, auch ein Stück originale Lufthansa-Historie mit.

Wolfgang Borgmann

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"Gruppenfoto" der beiden Türen der ehemaligen Lufthansa Super Star D-ALOL in ihren Schablonen, während sie in Hamburg wieder einsatzfähig gemacht wurden.